Alicja Wahl

Selbstporträt

1973, Feder

Losnummer: 2_194

Verkauft für: 1125,00 €
inkl. Aufgeld

Beschreibung
Alicja Wahl stellt sich in dieser Federzeichnung selbst zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Bozena Wahl dar. Die surreale Frauenfigur erwächst pflanzenhaft aus feinst verdichteten Linien in zarten Farben und formt zwei nahezu spiegelgleiche Bildhälften. Die verschiedenfarbigen Stielaugen, die alles im Blick zu haben scheinen, treten aus dem dichten, für die beiden Frauen typischen Haarschopf hervor. Der nackte Körper ist hinter einem Podest platziert. Seine Arme münden in wurzelartigen Händen, auf denen vor dem Podest zwei Eier lagern. Diese spielen wohl auf den Ursprung zweier Menschen aus einer Eizelle und die enge Verbindung, die viele Zwillinge verspüren. Ihre unterschiedliche Größe mag verbildlichen, dass dennoch eine der beiden zuerst das Licht der Welt erblickte. Dieses Werk steht stellvertretend für den "körperlichen Surrealismus" der Künstlerin in den 1970er Jahren.
Beschriftung
Rechts der Darstellung signiert und datiert "A. Wahl 1973". Rückseitig von anderer Hand in Blei bezeichnet "Selbstporträt Alicja Wahl".
Maße
Das Blatt misst ca. 99,5 x 75 cm.

Zustand
Das kräftige Papier ist altersbedingt stellenweise gering braunfleckig. Vereinzelt mit leichten Lagerspuren und kleineren Fleckchen. Stellenweise knickspurig, vornehmlich in den Rändern, der rechte Rand stärker. Am unteren Rand leichter partieller Papierabrieb. Der linke Rand mit schwachem Wasserfleck, am rechten Rand mit Einriss. Die Darstellung dennoch kräftig und im Übrigen wohl erhalten.
Provenienz
Aus dem Nachlass der Galerie Elisabeth Henning, Hamburg.

Vita Alicja Wahl

Die polnische Künstlerin Alicja Wahl (geboren 1932 in Warschau; gestorben 2020 in Warschau) beschäftigte sich in ihren Werken vor allem mit sozial und empathisch konnotierten Themen wie Schwesternschaft, Sexualität, die Kraft und das Mysteriöse der Natur sowie die menschliche Existenz aus explizit weiblicher Perspektive, jedoch ohne die Basis feministischer Texte, zu denen ihr im kommunistischen Polen der Zugang fehlte. Ihr Stil glich bis zu den 1970er Jahren dem ihrer ebenfalls als Künstlerin tätigen Schwester Bozena Wahl. Später wurden Alicjas Werke farbiger und heller. Von 1952 bis 1957 studierte sie Malerei an der Akademie der bildenden Künste in Warschau und zusammen mit ihrer Schwester auch an der Warschauer Akademie der Schönen Künste. 1979 eröffnete die Künstlerin mit ihrer Schwester eine eigene Kunstgalerie „A.B. Wahl“ in ihrem Haus in Warschau, die zugleich die erste private Kunstinstitution dieser Art in Polen war. Das eigene Interesse an surrealistischen und poetischen Schwerpunkten spiegelte sich im Galerieprogramm wider. Die Wahl-Schwestern bezogen sich in ihren Arbeiten insbesondere in den 1960er Jahren auf Literatur von Miguel de Cervantes, Marcel Proust, Franz Kafka und Giuseppe Tomasi di Lampedusa.

Kontaktdaten
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Über die Auktion

2. Auktion, 29. März 2025, 14:00 Uhr
Friedrichstraße 232, 10969 Berlin

Mit Gemälden von Hartwig Ebersbach, Harald Metzkes und Fritz Beckert liegt ein Schwerpunkt dieser Auktion auf sächsischer Kunst. Nicht unerwähnt bleiben sollte in diesem Zusammenhang eine große Radierung von Richard Müller, ein wunderbares Portrait von Conrad Felixmüller sowie eine geschmacksvolle Ansicht der Leipziger Pleißenburg um 1820. Neben diesen bekannten Namen freuen wir uns, Ihnen auch zwei vergesse Künstlerinnen vorstellen zu können: Gerda Rotermund und Lore Feldberg-Eber. Auch mit Werken aus dem Nachlass der Galerie Henning Hamburg möchten wir Sie begeistern. Hier seien insbesondere die raren Zeichnungen der polnischen Künstlerin Alicja Wahl, eine Reihe von Exlibris-Radierungen des polnischen Grafikers Leszek Rózga sowie die miniaturesken Radierungen des Slovaken Albín Brunovský erwähnt. Zusammen mit zwei bedeutenden Arbeiten des DDR-Avantgardisten Karl Heinz Schäfer und Plastiken von Harry Müller verspricht diese Auktion viele spannende Neuentdeckungen.